Transkript: SpaceX, Microsoft, Meta: So gewinnt Lukas Hermann mit einer Stoppuhr die Tech-Giganten
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Lukas: [00:00] Wir haben auf unserer Website wirklich riesen Namen, zum Beispiel SpaceX, IKEA, Netflix, die entsprechend interne Produktionsteams haben, die unser Tool kaufen. Es hat zehn Monate gebraucht, dann waren wir bei 1.000 € Umsatz pro Monat. Zehn Monate. Und dann hat’s noch mal acht, zehn Monate gebraucht, dann waren wir bei 5.000. Die meisten Leute sagen immer: bau ein Produkt, das du selber brauchst. “Scratch your own itch” heißt ja der Spruch – du musst selber wissen, was du baust. Ich glaube, das ist aber auch eine Falle, denn wenn du selber weißt, was du brauchst, dann baust du ein Tool für dich selber. Und was wir gemacht haben: wir haben ein Tool gebaut, das wir selber gar nicht brauchen. Ich habe das Tool noch nie selbst auf einem Event verwendet.
Host: Lukas Hermann ist bei uns. Mega cool, dass du da bist.
Lukas: Grüß euch, danke.
Host: Einstiegsfrage: Was verdienst du aktuell mit deinem Business im Monat?
Lukas: Ja, wir machen mittlerweile über 25.000 € Umsatz und wachsen. Wir sind ein SaaS-Business.
Host: Das bedeutet eigentlich, 90 % Profit geht in deine Tasche?
Lukas: Ja, nicht ganz – weil zu hohe Steuer, wenn alles in meine Tasche geht. Bleibt ein bisschen in der Firma, aber ja.
Host: Lukas, du bist der Gründer von Stagetimer. Mega spannende App. Als ich mich da reingelesen habe, dachte ich: krass, dass man mit sowas so viel Geld verdienen kann. Ich finde das irre, total abgefahren.
Lukas: Ja, und es ist diese Einfachheit. Ich stell es ganz kurz noch mal vor: Es ist einfach ein Timer, den man auf verschiedenen Bildschirmen präsentieren kann, wo man dann auch Nachrichten auf den Bildschirm senden kann. Eigentlich ein ziemlich cooles Tool, aber irgendwie auch etwas, das es schon gab – und trotzdem hast du es geschafft, da voll reinzustarten.
Host: Was genau ist denn der Vorteil von Stagetimer, und warum lieben
Lukas: [02:00] die Leute das so? Ich erklär es mal so: Wenn du mal ein TED-Event gesehen hast, da steht der Speaker auf diesem roten Punkt und hat diesen Timer vor sich und weiß: 25 Minuten habe ich für meinen Vortrag, und dann zählt die Zeit runter. Ich habe die Idee bekommen, weil ich mal bei jemandem im Studio war. Der hatte teure Technik, alles ferngesteuert – außer diesem Timer. Da musste er aufstehen, in den anderen Raum rennen, manuell auf Start drücken und wieder zurückrennen. Und ich dachte: sicherlich gibt’s da eine bessere Lösung. Habe dann als Webentwickler kurz im Internet geguckt – da gibt’s bestimmt was, wo ich am Computer einmal auf Start drücke und drüben geht der Timer los. Und habe nichts gefunden, nur so alte Windows-Software, die man installieren muss.
Host: Das war vor fünf Jahren?
Lukas: Ungefähr 2021, ja. Schon richtig in der SaaS-Zeit eigentlich. Wie gesagt, nichts Gescheites gefunden, nur alte Software, die aber genau das getan hat, was ich dachte: Browser öffnen, zack, Start, fertig. Dachte: super einfach, baue ich mal eben am Wochenende. Gebaut, online gestellt, und ja – jetzt sind wir hier.
Host: Und warum zahlen Leute Geld dafür?
Lukas: Ich habe erst gedacht, das ist einfach nur ein Hobbyprojekt, ich probier mal aus, wie es funktioniert, ein eigenes Produkt zu entwickeln und auch mal eine Zahloption einzubauen. Das war alles Neuland für mich. Habe einfach eine Zahloption reingebaut, mehr als Test, mit einem Pro-Feature, damit man es auch argumentieren kann, und es irgendwie auf Twitter geschmissen. Da hatte ich noch nicht so viele Follower. Geschrieben: ja, ich habe das gemacht, hier erstes Pro-Feature. Zack, am ersten Abend hat gleich jemand gekauft. Mein erstes Internetgeld.
Host: Also über deinen Beitrag bei Twitter hast du gesagt: “Hey, ich habe einen neuen Timer entwickelt, den kann man jetzt kaufen.” Und den hast du über GitHub angeboten oder über die Webseite? Hattest du da eine Webseite gebaut?
Lukas: [04:00] Ja, ich muss dazu sagen: den Timer gab’s schon acht Monate. Ich habe den so nebenher gebastelt – war noch Vollzeit angestellt – kostenlos. Und diese Bezahlversion war echt ein Test, um zu gucken: wie baue ich das ein, und wie macht man überhaupt mit einem Tool Geld? Mit dem Hintergedanken: das nächste Tool, das richtige Tool, da verdiene ich dann richtig Geld, und dann weiß ich schon, wie es geht. Und dann fangen Leute an, es zu kaufen, weil sie es nützlich finden.
Host: Wie viel Zeit hat dich das nebenher gekostet?
Lukas: Abends, Wochenende. Schon einige Stunden pro Woche, sechs, sieben.
Host: Und du hast Vollzeit gearbeitet?
Lukas: Vollzeit gearbeitet, ja. Als Softwareentwickler bei einem Startup.
Host: Preisgestaltung – du hast gesagt, du wolltest etwas anbieten, damit man sieht: okay, es rentiert sich. Was hat das gekostet? Wie bist du auf den Preis gekommen?
Lukas: 8 $, einmalig – nee, pro Monat. Weil damals, während der SaaS-Zeit vor AI, hat alles irgendwie 8 $ gekostet. Das war so Standard für alles, was du als SaaS verkaufst. Also einfach orientiert an dem, was es gab, und gar nicht groß überlegt. Es gab ja keine anderen Tools, die das Gleiche gemacht haben. Deswegen habe ich geguckt: was machen die ganzen anderen Leute auf Twitter, die ihre SaaS-Tools anbieten?
Host: Was ich mich frage: du sagst, es gab keine anderen Tools – aber es gibt ja den iPhone-Timer, die Stoppuhr. Man könnte ein Handy hinlegen, einmal draufdrücken, es läuft, und ich muss den Raum nicht verlassen. Was ist denn der große Unterschied?
Lukas: Stell dir ein Studio vor wie hier, aber der Controller, der die Aufnahme steuert, sitzt in
Lukas: [06:01] einem separaten Raum – ein Bluescreen mit Kameras. Da war ein alter Computer, der saß da, und er musste kurz rüberrennen, auf Start drücken und wieder zurück. Meine Idee war: warum kann man das nicht fernsteuern?
Host: Ich bin voll bei dir, dass da ein Pain war. Aber warum hast du dich für so einen Stagetimer entschieden? Hattest du schon im Kopf: da gibt’s bestimmt einen großen Markt für, weil es viele Events gibt?
Lukas: Nee, das war genau das. Ich habe wirklich einfach einen Screen gebaut, wo ein Timer angezeigt wird und eine Botschaft, die man einblenden kann. Viel einfacher als heute. Das saß da, ich mache die gleiche Webseite auf, habe einen riesen Start-Button auf der einen Seite, und das war alles. Dann habe ich es bei Reddit reingepostet: “Hey, ich habe hier was gebaut.” Musste erst mal das Subreddit finden, wo Leute sind, die solche Videoaufzeichnungen machen.
Host: Reddit war also vor Twitter.
Lukas: Reddit war ganz am Anfang: ich präsentiere es der Welt. Twitter war mehr: hier sind alle anderen, die auch SaaS-Tools bauen, da poste ich rein, was ich gerade mache und welche Fortschritte ich mache. Das lief parallel.
Host: Und was ist bei Reddit passiert?
Lukas: Ich habe das Ding auf meiner Webseite verlinkt, damit man mal gucken kann. Habe vielleicht 20 Antworten bekommen, relativ moderat, aber die haben alle gesagt: “Oh, super nützlich, genau sowas habe ich gesucht. Mach mal das und das und das noch.” Und so hatte ich eine richtige Todo-Liste aus diesen 20 Kommentaren. Dadurch, dass ich die alle umgesetzt habe, ist es – weil ich im richtigen Subreddit gelandet bin – ein richtiges professionelles Live-Video-Produktionstool geworden.
Host: Hast du dann immer wieder Updates in dem Subreddit gegeben?
Lukas: Ein paar Mal gepostet, aber da muss man vorsichtig sein. Auf Reddit darfst du nicht zu viel
Lukas: [08:01] Eigenwerbung machen. Aber die Leute sind dann auch über meinen Twitter gekommen, haben sich angemeldet, und über die E-Mail-Adressen und die direkten Verbindungen konnte ich dann einfach testen und Rücksprache halten und sehen: okay, die mögen das.
Host: Wie bist du überhaupt auf das Subreddit gekommen?
Lukas: Über so einen Subreddit-Sucher, keine Ahnung, wie der hieß. Da kannst du nach Subreddits speziell suchen. Heute geht das wahrscheinlich auch mit KI ganz gut.
Host: Und dann hast du einfach geguckt, nach was für Subreddits?
Lukas: Genau. Ich habe gedacht: wer braucht es? In meinem Fall Videoproduktion, Live-Video.
Host: Also über die Studio-Situation erst mal auf Live-Produktion. Und darüber kamen dann auch Leute, die es für Events genutzt haben?
[Werbung] Kurze Werbung. Ey Chris, sag mir, ob ich da falsch liege, aber ich habe gerade so ein Gefühl: Klima, soziales Miteinander, Ökologie, Chancengleichheit – das wirkt gerade fast wie ein Nischenthema, dabei ist es überhaupt keine Nische. Es ist doch im Kern die Frage, wie wir in Zukunft wirtschaften wollen, oder? – Voll, da bin ich komplett bei dir. Oft wird so getan, als wären Werte und wirtschaftlicher Erfolg Gegensätze – entweder sinnvoll oder profitabel –, aber das stimmt einfach nicht. Gerade wenn du gründest, willst du mit Menschen und Partnern arbeiten, die deine Haltung mittragen. Genau deshalb ist die GLS Bank der perfekte Partner für uns. Die GLS Bank setzt sich seit über 50 Jahren dafür ein, den sozial-ökologischen Wandel
[10:02] konkret mitzufinanzieren – Zukunftsfähigkeit finanzieren, also Unternehmen nicht nur ein Konto geben, sondern sie auf dem Weg zu nachhaltigem Wirtschaften begleiten. Vom Zahlungsverkehr über Baufinanzierung bis zur Geldanlage, mit einem klaren sozial-ökologischen Anspruch – erneuerbare Energien, nachhaltige Mobilität, Circular Economy, faire Kleidung, Naturkosmetik. Den Link dazu findet ihr in den Shownotes. Danke an die GLS Bank für die Unterstützung dieser Folge. [Werbung Ende]
Lukas: Das war genau diese Videoproduktions-Bubble. Da gibt’s ganz viele Freelancer, die werden eingeladen: “Hey, wir machen ein Firmenevent, wir brauchen zehn Leute.” Und dann kommt einer und sagt: “Wir brauchen einen Timer. Oh, ich kenne einen, den können wir kurz im Browser aufmachen, der funktioniert.” Und so sind wir bei vielen größeren Firmen bekannt geworden, weil diese Einzelleute gesagt haben: “Ich habe hier was, das kann ich mal eben verwenden.” Kostenlose Version, kein Thema.
Host: Das heißt, du hast gar keine Akquise gemacht? Wie kamen die ersten Kunden?
Lukas: Genau, das war über diesen Twitter-Post. Und dann musst du immer überlegen – vor allem als Einzelner, und das muss ich dazu sagen: ich bin allein, gebootstrapped, kein Investorengeld, kein Team, nur ich. Wie mache ich überhaupt Marketing? Sales kann ich nicht, habe ich nie gemacht, will ich auch nicht. Also muss ich irgendwie Werbung machen. Wer es genial gelöst hat, war Dropbox: “Schick den Link an deinen Freund, dann kriegst du 5 GB extra.” Ich dachte: kann ich sowas einbauen, dass
Lukas: [12:03] das Tool sich quasi selber bekannt macht? Vom Prinzip her: du hast ein Interface und kopierst einen Link raus, damit jemand anderes das auf seinem Bildschirm anzeigen kann. Und wenn ich da eine kostenlose Version mache, wo immer mein Logo mit angezeigt wird, dann macht das Tool quasi selber Werbung für sich. Das ist schwer messbar, ich kann’s nicht garantieren, aber ich glaube, es hat richtig gut funktioniert.
Host: Über den Twitter-Post kam der erste zahlende Kunde. Wie lange hat’s gedauert, bis weitere dazukamen – ein Monat, ein Jahr?
Lukas: Um die Timeline kurz anzugucken: von “ich habe hier was gebastelt” auf Reddit bis zu “ich habe jetzt eine Bezahlversion” sind acht Monate vergangen. Eine schon lange Zeit, in der ich beobachtet und Feedback eingearbeitet habe und gesehen habe, dass Leute es benutzen. Wenn das gestorben wäre und niemand hätte es benutzt, hätte ich nicht weitergemacht.
Host: Das heißt, der Reddit-Post wurde schon kostenlos oft benutzt?
Lukas: Genau, die Leute kamen wieder, haben sich’s nicht nur einmal angeguckt.
Host: Wie viele waren das ungefähr?
Lukas: 80, 90. In den acht Monaten 80, 90 Leute, die das immer wieder benutzt haben. Auch nicht die Masse. Aber ich habe gesehen: wenn Leute zurückkommen, ist das ein gutes Zeichen. Und dann kam die Bezahlversion, und dann ganz klassisch SEO – wahrscheinlich der größte Treiber. Content-Seiten geschrieben, durch die ganz langsam organisch Leute kamen.
Host: Content-Seiten, also Blog?
Lukas: Blog, klassische SEO-Artikel, aber auch Dokumentationsseiten und solche Sachen.
Host: Dann kam der Twitter-Post, dann
Lukas: [14:04] der erste zahlende Kunde.
Host: Und wie hat sich das dann entwickelt?
Lukas: Es hat zehn Monate gebraucht, dann waren wir bei 1.000 € Umsatz pro Monat. Und dann noch mal acht, zehn Monate, dann waren wir bei 5.000. Also so in dieser Kadenz: zehn Monate bis zur Bezahlversion, zehn bis zur 1.000, zehn bis zur 5.000, und dann noch mal zehn. Die genauen Zahlen habe ich nicht, aber so um den Dreh.
Host: Und in der Zwischenzeit bist du als Angestellter ausgestiegen? Im zweiten Zehn-Monats-Turnus hast du deinen Job gekündigt.
Lukas: Da gilt auch ein Kudos an meine Frau, die mich ermutigt hat. Die Firma hatte das Projekt beendet, wo ich angestellt war, und statt einen neuen Job zu suchen, hat sie gesagt: “Mach doch Vollzeit selbstständig.” Da waren wir bei 3.000.
Host: Warum gerade bei der Zahl?
Lukas: Das war einfach ein Timing-Ding. Die haben das Projekt beendet und gesagt: “Wir zahlen dir noch einen Monat Lohn, und du kannst einen neuen Job suchen.” Und sie meinte: “Ich glaube, das ist genug, lass uns einfach probieren. Wir wachsen.”
Host: 3.000 brutto ist ja nicht die Welt – Steuern und Co., da bleibt netto nicht viel über.
Lukas: Klar, 3.000 ist nicht viel. Aber wir wollten eh mal eine kleine Tour durch die Welt machen. Timing passt, nehmen wir mit: Wohnung gekündigt, alles abgemeldet, und nach Asien gegangen. Haben dann dort sechs Monate in verschiedenen Ländern gelebt.
Host: Hast du da schon einen Trend erkannt, dass es monatlich immer mehr zahlende Kunden werden?
Lukas: Wir haben schon erkannt, wie das Wachstum Monat für Monat kommt und unser SEO funktioniert. Wir haben
Lukas: [16:04] dann auch einen Teil des Geldes genommen und in verschiedene Paid Ads gesteckt – Facebook, YouTube Ads, Google – und einfach geguckt, was funktioniert. Am Ende sind wir bei Google hängengeblieben, also Google Search Ads, und da immer ein bisschen reinvestiert und geschaut, dass wir positiv bleiben.
Host: Was heißt “ein bisschen”? Was habt ihr am Anfang als Spielgeld genommen?
Lukas: 200, 300 – pro Tag, ein paar Euro pro Tag. Mittlerweile sind wir bei so 3.000 pro Monat.
Host: Und hat das am Anfang schon ein signifikantes Wachstum gebracht?
Lukas: Ein bisschen tricky, weil du über mehrere Monate beobachten musst. Du kannst nicht vom ersten Tag an sagen, ob es sich lohnt, weil die Leute diese Journey haben. Wir haben dann eine KPI genommen: die Person, die diesen Monat geklickt hat – kauft die auch diesen Monat? Wir haben diese Campaign Tags und gesagt: okay, das ist Mai 2022, gucken wir mal, wer kauft. Und wir haben gesehen: wir kommen gerade so positiv raus. Dann einfach angenommen: wenn Leute im nächsten Monat noch kaufen oder wieder kaufen, dann lohnt es sich.
Host: Kannst du noch mal kurz den Unterschied zwischen Bezahlversion und freier Version erklären?
Lukas: Wir haben es über Limits gelöst. In der kostenlosen Version kannst du fast alles benutzen, aber sehr limitiert: nur drei Timer, nur drei Geräte anbinden. Und wenn du bezahlst, werden diese Zahlen größer, und an den Ecken bekommst du noch ein paar Pro-Features dazu.
Host: Nimm uns mal mit, wie ihr bei den Ads vorgegangen seid – daran scheitern viele. Wie habt ihr euer ICP, euren idealen Kunden, gefunden, und wie habt ihr die Ads
Lukas: [18:05] geschaltet? Was war der USP für den Kunden?
Lukas: Super Frage, denn die meisten glossen da irgendwie drüber, die es nie gemacht haben und die Schwierigkeiten nicht kennen. Was wir gemacht haben: sehr drauf geachtet, dass wir nicht auf falsche Suchanfragen ranken. Vor allem Sachen wie Geburtstagstimer, Eieruhr, Kuchentimer – das haben wir alles mit negativen Keywords ausgeklammert. Da sind wir Monat für Monat richtig hinterhergewesen, weil du sonst Geld verlierst, da interessiert sich niemand für sowas. Wir haben echt versucht, immer diesen Professional Use mitzunehmen – Event-Benutzung, Live-Video-Production, Broadcasting, Livestreaming – und geguckt, dass die Keywords, die Google dir anzeigt, auf dieses professionelle Profil passen. Weil wir auch die ersten Kunden einfach direkt interviewt haben: “Lass uns mal einen Call haben.” Und einfach angehört: “Was macht ihr überhaupt? Zeig doch mal.” Die waren immer ganz begeistert. Leute außerhalb des Software-Engineering-Bereichs, außerhalb der Startup-Bubble, sind immer happy, dass jemand ein Tool für sie entwickelt. Mit AI vielleicht nicht mehr so, aber damals war das so: “Wir kriegen nicht viele Tools, die für uns entwickelt werden.” Die waren echt happy, mit uns reden zu können: “Wir benutzen das so und so, könnt ihr das noch einbauen, hier ist unser Workflow, das wäre super.” Immer richtig
Lukas: [20:06] begeistert, mit uns zu reden. Da haben wir gelernt: okay, das ist das Profil, das wir wollen – diese Event-Produktionsfirma, die kommt mit ihren Geräten, Kameras und ihrem Equipment, baut es auf und macht ein Event.
Host: Aktuell seid ihr hauptsächlich mit Google Ads am Start, habt aber auch Meta und YouTube ausprobiert. Da braucht ihr ja Assets. Habt ihr die machen lassen oder selbst gemacht? Und was zeigt man da überhaupt?
Lukas: Das sind alles große Fragen, und ich glaube, da hatten wir nie die richtige Antwort, weil’s auch schwierig ist. Wir haben selbst gebastelt, aber auch machen lassen – 1.000 € hier, 1.000 € da investiert. Wir hatten einen Animations-Erklärer für unser Tool, wir hatten auch mal jemanden, der in die Kamera spricht und das gut präsentiert. Verschiedene Approaches: Videos, die ganz kurz sind, 20 Sekunden, oder eine Minute lang. Creatives, die Features ansprechen, Creatives, die das ganze Tool ansprechen, Creatives, die Lösungen ansprechen – so “keep your event in sync”. Alles durchprobiert und geguckt: sehen wir diese Campaign Tags wieder in unseren Analytics? Und gemerkt: in unserem Fall hat Google funktioniert und die anderen nie so gut.
Host: Google dann über die Suchanfragen, das heißt, das Ranking wird beeinflusst – dass ihr einfach oben seid, wenn Leute zum Beispiel wonach suchen?
Lukas: Online Timer zum Beispiel. Ich weiß die exakten Suchbegriffe gerade nicht mehr, das macht hauptsächlich meine Frau. Aber wenn du klassisch “Timer für Event” eingibst, findest du uns. Wenn du “Eieruhr” oder “Birthday” oder “Year End Timer” eingibst, dann findest du uns nicht.
Host: Wenn man sich den ICP anschaut, den du genannt hast – Event-Produktion –, das geht ja jetzt weit darüber hinaus. Kannst du sagen, wer aktuell so eure Kunden
Lukas: [22:06] sind?
Lukas: Ich würde das in drei Sachen aufgliedern. Einmal die klassische Event-Produktionsfirma – da geht’s meistens um Live-Videoproduktion, teilweise auch ohne Video. Immer, wenn du eine Bühne hast, jemand steht drauf, es gibt ein Programm, und sie müssen die richtigen Leute zur richtigen Zeit hoch- und runterkriegen. Wie kommunizierst du mit jemandem auf der Bühne? Entweder du hebst hinten ein Papier hoch, oder du hast vorne einen Bildschirm. Dann zweitens dieselben Leute freelancermäßig, die als Einzelne oder im Team eingeladen werden. Und drittens haben ganz viele große Firmen intern eine Videoproduktions-Abteilung, weil sie interne Firmenevents machen. Meta, IKEA ist ein gutes Beispiel – da waren wir schon zu Besuch. Die haben intern eine Bühne, einen kleinen Event-Space für interne Weihnachtsfeiern und Product Announcements. Und die haben immer ein kleines Videoproduktionsteam, meistens fünf, sieben Leute. Das sind unsere Kunden. Deswegen haben wir auf unserer Webseite wirklich riesen Namen: SpaceX, IKEA, Netflix – die haben interne Produktionsteams, die unser Tool kaufen.
Host: Das ist echt krass. Was ich bei dir so spannend finde: es gibt ja ganz viele Lean-Startup-Geschichten, das ist das Paradebeispiel. Wir hatten letztens Philip Schreiber von Crew, der mit einer Fotobox 23 Millionen Euro Umsatz macht. Es gibt ja
Host: [24:08] ganz viele Bücher von vor zehn, fünfzehn Jahren, die sagen: Kundenbefragung, mach so und so. Und man denkt: ja klar – aber fast keiner macht’s. Du hast es gemacht, und dann denke ich: krass, wenn man das wirklich befolgt, die Kundenfeedbacks einsammelt und die Hausaufgaben macht, dann kommt man auch dahin. Aber die wenigsten machen es.
Lukas: Vor allem in der Zeit, wo es eigentlich alles gibt und der Markt schon gesättigt ist – du kannst trotzdem was rausbringen, was es schon gibt, und trotzdem erfolgreich sein. Die meisten sagen immer: bau ein Produkt, das du selber brauchst. “Scratch your own itch.” Ich glaube, das ist aber eine Falle, denn wenn du selber weißt, was du brauchst, dann baust du ein Tool für dich selber. Und wir haben ein Tool gebaut, das wir selbst nicht brauchen. Ich habe das Tool noch nie selbst auf einem Event verwendet. Das heißt, wir waren von Anfang an darauf angewiesen, mit unseren Kunden zu reden, was die brauchen. Wir machen das in einem richtigen Zyklus: Wir reden mit drei Leuten oder Teams und schreiben uns die wichtigsten Sachen raus. Schon bei ganz wenigen Interviews kriegst du die großen Feature Requests sofort raus. Das ist nicht geheim, das sagen die dir ins Gesicht. Lustig: Wir haben keinen Fragekatalog, gar nichts. Wir sagen einfach hallo, und dann sprudeln die los. Die haben ihre Punkte, teilweise PowerPoint-Präsentationen, sind mit fünf Leuten im Zoom-Call, und jeder erzählt, was er macht und welche Features er braucht. Wir schreiben einfach nur mit. Nach drei Interviews hast du die großen fünf, die implementieren wir, und wenn sie implementiert sind, kommt die nächste Runde mit den nächsten großen Topics.
Host: Eine andere Sache, die du gemacht hast: nebenbei gegründet, du warst ein Sidepreneur. Da hört man von verschiedenen Ecken: “Commit dich voll auf die eine Sache, mach es nicht nebenbei.” Wir hatten auch Tessa von Nordt Design da, die ein Millionen-Business
Lukas: [26:08] nebenbei aufgebaut hat. Wie siehst du das Thema, dass man nebenbei als Hobby etwas aufziehen kann, was dann zum Hauptjob wird?
Lukas: Wenn du einen Vollzeitjob hast und ein Produkt entwickeln willst: mach einfach, mach nebenher. Fang einfach an. Da hast du keinen Druck, kannst langsam aufbauen. Und wenn du dann kündigst, hast du zumindest schon eine Basis. Denn wenn du sagst “ich kündige jetzt, ich habe zehn Monate Savings” und willst ein Produkt aufbauen – das ist super hart.
Host: Das ist brutal. Das kriegen die meisten nicht hin, weil zehn Monate ein sehr kurzer Zeitraum sind.
Lukas: Klar, du siehst auf Reddit und Twitter, wie sie ihre Riesenprodukte innerhalb von drei Monaten machen – aber das ist der Ausnahmefall.
Host: Wichtig, dass man die Arbeit dahinter sieht und nicht nur das Ergebnis. Wenn wir schon dabei sind: Wie ist aktuell euer Workload? Die App ist programmiert, Updates kommen regelmäßig. Was habt ihr gerade zu tun?
Lukas: Wenn du dir so ein Produkt anguckst, hast du Phasen. Die Gründungsphase, das PMF-Finding – Product Market Fit, wann passt mein Produkt auf den Markt. Das ist auch der Zeitpunkt, wo du viel launchen kannst. Du kannst auch mal drei Produkte gleichzeitig launchen. Finde den PMF, und wenn du ihn gefunden hast, dann fokussieren – sonst macht es keinen Sinn mehr, sich auf andere Sachen zu konzentrieren.
Host: Würdest du sagen, es ist wichtig, am Anfang breit zu streuen?
Lukas: Ja, weil echt viel Glück dabei ist. Du weißt einfach nicht, was funktioniert. Vor allem als First-Time-Founder musst du ein bisschen streuen, ein bisschen ausprobieren. Das ist keine Schande.
Host: Hast du das mit Stagetimer auch gemacht – verschiedene Versionen, verschiedene Zielgruppen?
Lukas: Ich glaube, ich war super lucky, weil es sofort funktioniert hat. Aber ich sehe bei vielen anderen, wie sie einfach probieren, probieren, probieren.
Host: Und wie wichtig sind so
Lukas: [28:08] Reddit-Geschichten? Du hast ja 20 Antworten bekommen, was super hilfreich war – Leute, die dir schreiben “oh, das wäre geil, wenn das noch drin wäre”. Das hat deinem Product Market Fit unfassbar geholfen.
Lukas: Die Frage ist: machst du ein Produkt für das große flache Loch – viele Leute, ganz wenig Preis – oder machst du wenige Leute und ein tiefes Loch, also eine Nische? Ich finde, je nischiger, desto besser kannst du die Subreddits ansetzen, desto weniger Konkurrenz hast du, desto mehr bringt es dir, wenn 30 Leute antworten, anstatt gleich 2.000. Und du hast ja die Idee “ich baue mein Produkt und dann kommen die Leute” – das funktioniert nicht. Distribution und Marketing müssen von Anfang an mit dabei sein, sonst funktioniert es nicht, und du musst einfach probieren.
Host: Und um darauf zurückzukommen: Was macht ihr aktuell gerade?
Lukas: Erst das PMF-Finding, die Nische, und dann kommt der Wachstum. Okay, jetzt weiß ich, wo mein PMF ist, welche Features ich brauche. Jetzt baust du die Features alle ein, baust dein Marketing auf, dein SEO, deine Präsenz. Und dann kommst du irgendwann an einen Punkt, wo du plateaust und sagst: okay, die Nische ist mehr oder weniger gesättigt. Du merkst, es ist angekommen, die Leute benutzen es, es ist bekannt. Wo kriegst du jetzt das nächste Kundensegment her? Dann musst du die harten Fragen stellen. Die einfachen Marketing-Geschichten sind vorbei, Google Ads sind geschaltet, der Teich ist auch nur so groß, da kannst du nicht unendlich reinbuttern. Und bei uns ist die Antwort wahrscheinlich eher Richtung Enterprise. Diese Teams in den großen Firmen lösen es meistens über ihr R&D-Budget, da können sie ihre
Lukas: [30:09] Kreditkarte verwenden und müssen nicht durch diese Reseller-Geschichten durch. Aber manche kommen und sagen: “Hey, wir haben hier den Reseller, du musst diesen Fragebogen ausfüllen, und habt ihr Single Sign-on, und macht ihr eine separate Invoice?” Das ist jetzt der nächste Schritt: wie bereiten wir unser Produkt darauf vor, dass wir auch diesen Markt sättigen können? Können wir anbieten: alle Server in Europa, Single Sign-on, Uptime-SLA und so weiter.
Host: Was ist das für ein Workload? Sind das mit den Themen, die du ansprichst, mehr als 40 Stunden die Woche?
Lukas: Wenn ich die Zeit hätte, auf jeden Fall, easy. Meine Todo-Liste ist eigentlich nur länger geworden.
Host: Und wie oft hast du diesen Zyklus, wo du mit drei Teams für Feedback sprichst – jeden Tag, jede Woche?
Lukas: Nee, ich habe es so eingetrudelt, dass ich pro Monat einen Kontakt mit einem Kunden habe.
Host: Einen zufälligen Kunden, den du anschreibst, oder der von sich aus zu dir kommt?
Lukas: Wie es passt – wenn einer kommt, oder ich frag mal nach.
Host: Hast du einen Überblick, wie viele aktive Nutzer es aktuell gibt?
Lukas: Ja. Wir haben es süß auf unserer Website direkt geschrieben, ich glaube über 20.000 Nutzer, die angemeldet sind und das auch nutzen. Aber ich kann live sehen, wie viele Leute das gerade benutzen, weil ich diese stehenden Verbindungen von Geräten habe. Wir haben mittlerweile über 1.100 Events, die das die meiste Zeit gleichzeitig benutzen. Nachts ist es ein bisschen weniger, aber pro Tag 1.100, die immer eine stehende Verbindung haben.
Host: Das ist crazy. Und dann hast du auch Geschichten, wo du sagst: der Server muss funktionieren. Ganz kurz – stehende Verbindungen heißt
Lukas: [32:10] rund um die Uhr, jemand macht den Bildschirm auf, zeigt unser Tool an und lässt gerade den Timer laufen?
Lukas: Genau. Es schwankt so um die 1.100-Marke, mal mehr, mal weniger.
Host: Was ich mich vorher gefragt habe: Stagetimer kann man auf der ganzen Welt nutzen. Was ist dein Hauptmarkt, wo sind die meisten Kunden?
Lukas: USA, ganz klar. Wir haben natürlich alles für Englisch aufgebaut, und die USA sind einfach der größte Markt.
Host: Und kannst du nachvollziehen, warum gerade SpaceX, Meta, Netflix dein Produkt nutzen?
Lukas: Ich habe am Anfang über dieses Dropbox-Modell geredet – die Idee, dass sich das Produkt selber vermarktet. Bei uns sind ungefähr 30 % Word of Mouth, Leute, die anderen erzählen “benutz es, das ist gut”. In unserer Industrie ist dieses Word of Mouth sehr stark. Meine Theorie – und das habe ich ein bisschen aus Erzählungen bestätigt bekommen – ist, dass wir in diese Firmen reinkommen, weil Freelancer da reingehen und sagen: “Ich kenne das Tool, das habe ich schon mal bei einem Event benutzt. Wir brauchen einen Timer, lass uns das kurz hinstellen.” Und dann läuft das Event gut, und die Firma sagt: “Das wollen wir nächstes Mal wieder” oder “Hey, unser internes Team, könnt ihr das auch nutzen? Das funktioniert richtig gut.” So haben wir den Eingang in die meisten großen Unternehmen gefunden.
Host: Aber ihr habt da keine Einzel-Entrepreneurs als Botschafter eingesetzt – das kam wirklich organisch?
Lukas: Wir haben es probiert. Wir haben probiert, in Zeitschriften reinzukommen, wir haben
Lukas: [34:10] probiert, mit YouTube-Influencern zu arbeiten. Und meistens haben sie uns gesagt – vor allem die Podcasts in dem Bereich: “Nee, wir wollen keine Sponsoren, wir wollen die Qualität hochhalten, aber wir empfehlen euch trotzdem.”
Host: Lukas, wir würden gern über etwas sprechen, das in der Vorbereitung kam: Ein Tool, wie du es gebaut hast, kann ich wahrscheinlich nicht in der Qualität, aber mit diversen KI-Tools mittlerweile gut nachbauen. Widersprich mir gern – du kommst aus der Entwicklung, ich gar nicht. Trotzdem sagen Leute, und im kreativen Bereich bin ich derselben Meinung: das stirbt nicht aus, nur weil es KI gibt. Die, die es können, können es dann gut nutzen, die anderen nicht so gut. Ich würde wahrscheinlich kein so gutes Produkt entwickeln können wie du. Trotzdem gibt’s die Möglichkeit, dass ich den gleichen Weg gehe – Reddit, “was braucht ihr”, und so weiter. Vielleicht keine Uhr, aber irgendwas anderes. Siehst du das auch so, oder muss man da fit sein in Entwicklung?
Lukas: Vor zwei Wochen hat jemand genau das gemacht. Er hat unser Tool eins zu eins nachgebaut, das gleiche Marketing-Playbook genommen – genau wie ich es geschrieben habe, weil wir das auf unserer Website geschrieben haben –, im genau gleichen Subreddit fast die gleiche Message gepostet: “Hier ist ein Tool, probier es mal aus.” Und ich habe mir das angeguckt, und dann kamen direkt die Antworten: “Ja, das ist ja genau wie Stagetimer, einfach eine Kopie.” Und dann hat ein Moderator es zwei Stunden später gelöscht. Da habe ich gemerkt: okay, eine Brand, einen Namen, sich einen Namen zu machen, ist unglaublich wertvoll. Mit KI – und ich habe so viel über Marketing geredet – ist Produkt bauen super easy, frei,
Lukas: [36:10] aber das Produkt zu vermarkten und zu wissen, was man bauen muss, das sind die harten Themen. Auch schon vor KI war es hart zu wissen, was ich baue, anstatt wie ich es baue. Und wenn du das richtig hinkriegst – wenn du deinen Kunden verstehst, dein Kundensegment verstehst, das baust, was sie wollen, und sie erreichst –, dann kannst du immer noch Erfolg haben. Es ist schwieriger geworden, weil jeder bauen kann. Aber jeder kann schlecht bauen. Kannst du gut bauen, kannst du was Gutes bauen, das die Leute auch wollen und verwenden.
Host: Finde ich eine brutale Aussage, weil das ja entgegen dem Golden Circle von Simon Sinek geht. Macht für mich aber Sinn: was baue ich für wen? Du sagst ja auch, ich habe es nicht für mich gebaut, sondern es gibt einen Need oder einen Pain im Markt – und für die zu bauen ist viel wichtiger als das Was und das Warum.
Lukas: Genau. Bei Simon Sinek hast du das Why in der Mitte – bei Apple funktioniert das richtig cool: “Wir stehen für das und das.” Aber wenn du ein kleines Tool baust, dann interessiert sich niemand für das Why. Die Leute interessieren sich dafür: lös mal einen Painpoint, so gadgetmäßig.
Host: Richtig wichtige Aussage, weil sich im Startup-Bereich viel darum gedreht hat, erst mal “warum machen wir das eigentlich”, anstatt ins Tun zu kommen. Werte sind wichtig, keine Frage – aber schneller ins Handeln zu kommen und einen Proof zu kriegen, ob es überhaupt einen gibt, ist am Anfang viel wichtiger.
Lukas: Stell dir vor, du bist ein neues Produkt, jemand kommt auf deine Seite, hat es noch nie verwendet. Und ihr kennt es genauso – jeder geht ständig auf neue Tools und Apps und will sie ausprobieren. Wie groß ist die Friction vom ersten Kontaktpunkt bis “ich benutze jetzt das Tool und es bringt mir was”? Muss ich durch fünf Anmelde-Steps gehen? Komme ich auf eine leere Seite, wo mir erst mal ein Produkt-Tutorial angezeigt wird? Wer
Lukas: [38:11] hat sich schon mal durch Tutorials durchgeklickt? Niemand. Jeder klickt die weg und probiert es einfach selber aus. Die Frage ist: kannst du mit deinem Produkt sagen “ich komme auf die Website, mache einen Klick, und der Nutzen ist schon da”? Kannst du das so bauen und so kommunizieren, dass in diesem kurzen Schritt dein Produkt zu einem neuen Kunden kommuniziert wird, der es noch nie gesehen hat? Das ist super schwierig – aber wenn du das hinkriegst, dann kannst du aufbauen. Wie schnell kommt die Person an den Wert des Produkts ran?
Host: Und ich hatte genau das Gefühl, als ich euer Tool das erste Mal genutzt habe. Du gehst drauf, kannst direkt ohne Account ausprobieren, und es gibt kein Tutorial. Ich wusste sofort, wo alles ist, habe mich sofort zurechtgefunden: Klick Pause, Klick Play, da kann ich die Zeit einstellen, da was eingeben, ich drück drauf, es wird gesendet, fertig. Komplett intuitiv.
Lukas: Genau das Erlebnis – und das ist kein Zufall. Das war Planung, und es hat fünf Jahre gebraucht, bis wir an dem Punkt waren.
Host: Das ist geil, wenn man das so nicht sieht, aber es trotzdem diesen Eindruck macht – dann sieht man, dass da sau viel Arbeit dahintersteckt. Um kurz zum KI-Thema zurückzukommen: Wie viel KI nutzt ihr aktuell?
Lukas: Ich mache fast alles nur noch mit KI. Ich muss qualifizieren: Meine Softwareentwicklung mache ich fast 100 % mit KI. Viel Reviewing noch manuell, aber Claude programmiert für mich alles. Ich mache auch ganz viele administrative Sachen mit KI – der bucht mir das in mein Lexware rein und hilft bei ganz vielen Themen.
Host: Was nutzt du dafür?
Lukas: Claude. Alles mit Claude. Was nicht geht beziehungsweise was wir nicht machen, ist Marketing mit KI. Ich habe probiert, automatisch Blogposts zu kreieren, aber ich
Lukas: [40:13] finde, das ist alles schmant. Ich muss qualifizieren: Wenn du gutes Material reinsteckst, kommt auch gutes raus. Aber um gutes Material reinzustecken, brauchst du am Ende genauso lange, wie wenn du es mehr oder weniger selber machst. Der manuelle Aufwand beim Marketing ist noch zu hoch, um das komplett zu automatisieren. Vor allem in so einer technischen Nische. Wenn du Turnschuhe verkaufst, kann das anders sein.
Host: Wo ihr gerade dran seid – merkt ihr ein Wachstum? Wachst ihr mit Stagetimer stark, oder ist es eher ganz langsam und kontinuierlich, oder gerade eine Stagnation?
Lukas: Langsam und kontinuierlich bei uns, nach wie vor sehr organisch, klar ein bisschen mit Paid Ads, aber sehr stetig. Wir sehen jedes Jahr: Frühjahr ist Eventzeit, dann kommt das Sommerloch, dann die Herbstmessen und die ganzen Festivals, und dann geht’s wieder runter. Diese zwei großen Wellen, und jedes Jahr ist die Welle ein bisschen höher.
Host: Das heißt, im Sommer gibt’s wirklich einen Umsatzeinbruch?
Lukas: Ja, im Sommer machen wir weniger Umsatz als im Frühling und Herbst/Winter.
Host: Du hast vorhin schon angesprochen, wo es hingeht – dieser Enterprise-Bereich. Wenn du dir ausmalst, wo Stagetimer in fünf Jahren steht?
Lukas: Wenn du mich vor fünf Jahren gefragt hättest, hätte ich gesagt: ich mache das Tool fertig, in drei Jahren bin ich fertig mit programmieren, dann lasse ich es laufen und mache was anderes. Jetzt habe ich dazugelernt: ein Produkt zu entwickeln und in einer Industrie zu sein ist so viel mehr Arbeit, als mal eben was hinzuprogrammieren und laufen zu lassen. Wenn ich schätzen müsste: Wir werden wahrscheinlich mehr Sales machen, vielleicht sogar jemanden haben, der Sales für uns macht. Also schon ein Ziel: richtig Vertrieb.
Host: Aber wie? Was macht der dann?
Lukas: Gute Frage. Deswegen habe
Lukas: [42:13] ich nie Sales gemacht – weil: was macht der, und wie mache ich das überhaupt? Aber hier ist die Antwort, vor allem als Solopreneur: Du guckst, wie viele Anfragen reinkommen. Bei uns sind es gerade fünf, sechs pro Monat. Irgendwann hast du so viele Anfragen, dass du sagst: jetzt müssen wir eine Pipeline dafür bauen, das standardisieren, CRM-mäßig – Schritt 1, 2, 3, 4, fertig. Genau an dem Punkt sind wir gerade. Eine Pipeline draus bauen: hier ist, was wir anbieten, hier ist unser Preis. Bisher haben wir uns alles so aus den Fingern gezogen: okay, was ist der Preis, machen wir so, schreiben wir hin. 200 connected Devices haben wir gar nicht in unserem Pricing – machen wir einfach einen Preis.
Host: Also verliert ihr gerade auch Kunden, die anfragen und dann nicht nachgefasst werden, weil keine Zeit ist?
Lukas: Nee, wir verlieren keine Kunden, aber wir machen viel spontan und setzen viel spontan fest. Teilweise sind unsere Preise einfach viel zu niedrig, weil wir das nie richtig strukturiert haben. Ich habe lieber, dass der Kunde happy ist und wir einen niedrigen Preis haben, als dass wir den letzten Euro ausfischen. Du machst das, und dann konkretisierst du die Pipeline: hier ist unser Preisbuch, das kosten die ganzen Extras, SSO kostet so viel. Was passiert mit dem Kunden, wenn er kommt – kommt da ein Slack rein, wird weitergeleitet? Und wenn du diese Pipeline einmal hast und an den Punkt kommst, dass der Gründer nicht mehr genug Zeit hat: dann stellst du jemanden ein und sagst genau “hier ist unsere Pipeline, die Anfrage kommt hier rein, du greifst sie hier ab, machst das und das, bis es geclosed ist, und gibst sie wieder an mich ab”. Entweder machst du einen Vertrag – “du kriegst 20, 30, 40 % von diesem Volumen” – oder
Lukas: [44:15] du stellst ein.
Host: Und Kaltakquise ist wahrscheinlich kein Thema bei euch, oder? Warum nicht?
Lukas: Weil Kaltakquise nur Sinn macht, wenn dein Preis hoch genug ist. Unser höchster Preis auf der Website ist 380 € pro Jahr. Da macht Kaltakquise keinen Sinn. Für Enterprise machen wir das ein bisschen höher, weil da mehr geht – alle Server in Europa und solche Sachen, da kann man mehr verlangen. Aber wir sind immer noch nicht beim Kaltakquise-Preis. Der fängt erst bei 5.600 € an, weil dann kriegt die Person auch den richtigen Cut, und dann lohnt sich dieses Cold Calling und E-Mails rausschicken. Das sind die Economics dahinter.
Host: Was würdest du sagen, wie viel Musik salesmäßig, umsatzmäßig pro Monat bei Stagetimer drin ist, wenn du Enterprise angehst?
Lukas: Ich habe immer angenommen, dass unsere Nische maximal 1 Million Umsatz pro Jahr ist.
Host: Wäre nicht schlecht, oder?
Lukas: Wäre nicht schlecht, aber ich habe das Gefühl, dass es höher ist, als wir gedacht haben. Es ist ja weltweit. Ich bin immer überrascht.
Host: Heißt höher dann im Bereich 10 oder 50?
Lukas: Vielleicht 10, vielleicht 20 – vielleicht liege ich total falsch. Vielleicht können wir unser Kundensegment noch ausweiten. Wir haben einige Universitäten schon. Kann man da noch was machen, im statischeren, mehr corporate Bereich?
Host: Ich habe mir auch gerade gedacht: wenn wir ein Studio hochziehen und jemand bei der Aufnahme dabei sitzt, wäre Stagetimer richtig geil für uns – wenn jemand in der Regie sitzt und uns Anweisungen oder eine Info reinschicken kann, wäre das mega. Wir sitzen ja auch hier im Steig, wo wir die Aufnahmen machen, und haben auch Events, aber noch nie genutzt, und ich frage mich gerade, warum.
Lukas: [46:16] Es macht doch total Sinn. Gerade bei Roast Me oder wo Pitches stattfinden, ist es wichtig, dass die Person, die vorne pitcht, sieht, wie die Zeit läuft – aber auch das Publikum –, und vielleicht kann auch jemand den Leuten sagen “geht mal mit dem Mikro an”.
Host: Wir haben hier das Gründergrillen, wo sie Pitches machen, und die waren am Anfang viel zu lang. Die Leute standen einfach auf der Bühne, und irgendwann musste es kommen: “So, jetzt ist es vorbei, vielen Applaus.” Und jetzt haben wir den Timer laufen, eine Minute, zack, und es funktioniert.
Lukas: Genau. Und du kannst auch reinschicken: “zum Ende kommen”, “noch zehn Sekunden”.
Host: Lukas, wir haben zum Schluss noch eine Frage, die wir allen Gästen stellen: Wenn du einen Wunsch frei hättest, völlig random, der aber morgen in Erfüllung ginge – was wäre das?
Lukas: Ich glaube, ich würde mir wünschen, dass das Finanzamt seine Prozesse für kleine Firmen verbessert.
Host: Hatten wir so noch nicht. Da gehe ich 100 % mit. Jeder, der schon mal eine Firma angemeldet hat, weiß, was für riesen Fragebögen man ausfüllen muss – dann kriegst du deine Steuernummer, dann musst du zu fünf offiziellen Stellen, dich registrieren, Nummern kriegen, dann wartest du fünf Jahre auf deine USt-ID, hast was falsch angekreuzt und musst es nachtragen, und dann musst du separat Umsatzsteuervoranmeldungen machen, Gewerbesteuer, Körperschaftssteuer.
Lukas: Wenn du es einmal verstanden hast – und für große Konzerne ist es kein Problem, die haben ein Team von Leuten dafür –, aber als Einzelunternehmer ist das am Anfang so krass. Hoffentlich
Host: [48:19] hört da jemand zu, der ein bisschen Einfluss hat.
Lukas: Und die Folge von Steuerfabi kann ich da empfehlen, der hat viel dazu gesagt. Mein Wunsch ist nicht mal weniger Steuer. Mein Wunsch ist wirklich: einfacher machen, mit einer Firma anfangen zu können.
Host: Lukas, ganz lieben Dank, dass du da warst. War echt mega cool mit dir. Hoffentlich klappt das in fünf Jahren mit den 20 Millionen Umsatz – wir werden es beobachten. Alles Gute und bis ganz bald.
Lukas: Danke schön.
Host: Und danke auch an euch fürs Zuhören und Zuschauen. Das war für mich wirklich eine kleine Masterclass, was man heute von Lukas’ Erfahrung mitnehmen konnte. Wenn euch die Folge gefallen hat, lasst ein Abo da, einen Daumen hoch, schreibt in die Kommentare, was ihr cool fandet oder was wir verbessern könnten – Kundenfeedback ist uns ganz wichtig. Und empfehlt den Podcast weiter. Neben der Folge von Steuerfabi hört auch gern bei Stefan Merath rein, die allererste Folge, der hat viel dazu gesagt, wie man so ein Business aufbaut. Aufgenommen haben wir die Folge am 1. Juni. Den Schnitt macht bei uns Jonathan Müller, und das Ganze ist eine Produktion von Changing Time. Wir freuen uns, wenn ihr beim nächsten Mal wieder dabei seid. Ciao und bis dahin bei Köpfe der Szene.